Sie treffen hier auf einen sehr lebensbejahenden Geist: den Menschen trotz schwerer Krankheit Lebensqualität bis zum Schluss zu ermöglichen.
Drei Fragen an : Dr. med. Christiane Munsch
Wir begleiten hier Menschen mit unheilbaren Erkrankungen, unterschiedlichsten Alters, unterschiedlicher Herkunft und Religion, egal in welcher Phase ihrer Erkrankung.
Das bedeutet, auch wenn eine Erkrankung unheilbar ist, muss sie nicht direkt zum Tod führen, kann dem Patienten aber eine hohe und in seinem Alltag äußerst einschränkende Symptomlast bereiten.
Hier gilt es während eines stationären Aufenthaltes bei uns die individuellen Beschwerden so zu minimieren, dass eine Entlassung mit Anbindung an eine ambulante palliativmedizinische Weiterversorgung ermöglicht werden kann.
Das tun wir sehr lebensbejahend, liebevoll und mit hohem Engagement. Es geht darum die körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Themen und Bedürfnisse gleichermaßen zu berücksichtigten. Immer mit dem Blick darauf die Lebensqualität der Patienten so lange wie möglich zu erhalten und ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.
Mit lebensbejahend meine ich: Sorgen und Ängste positiv umzuwandeln, Unerledigtes zu regeln und den Fokus darauf zu lenken – was Ihnen in der Zeit, die Sie haben, wertvoll und wichtig ist. Dieser Zeit eine Qualität zu geben, die Ihnen Leichtigkeit beschert, Freude bereitet und die auch das engste Umfeld natürlich passend mit einbezieht. So verstehen wir hier unseren Beitrag.
Geht eine Erkrankung dann in die Terminalphase, also die eigentliche Sterbephase über, steht auch hier die Linderung der Beschwerdelast auf allen Ebenen im Fokus um ein würdevolles Sterben ermöglichen zu können.
Gleichzeitig ist es wichtig, die Angehörigen in dieser schweren Zeit abzuholen und zu begleiten. Unser Ziel ist es, dass Sterben auf unserer Station nicht zu tabuisieren und die Erinnerungen an den Verlust eines geliebten Menschen, so schwer er auch ist, mit positiven Gefühlen und dem Wissen, dass dieser Mensch friedlich und ohne Leid verstorben ist, zu füllen.
Wenn Angehörige Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre nach dem Verlust eines geliebten Menschen immer wieder zu Besuch zurück auf unsere Station kommen, weil sie eben diese positiven Erinnerungen haben, ist das die Motivation für unsere tägliche Arbeit.
Wir kümmern uns mit einem multiprofessionellen Team, das Hand in Hand agiert, um die Menschen bei uns. Unser Team besteht aus Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, Sozialarbeitern, Seelsorgern und Kollegen aus den Bereichen der Physio-, Kunst- und Musiktherapie wie auch der tiergestützten Therapie sowie ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Menschen, die bei uns sind, reagieren sehr unterschiedlich auf die Lebenssituation, in der sie sich befinden. Die Themen, die dann wichtig werden, sind sehr unterschiedlich. Das hängt u. a. auch mit dem Alter der Patienten zusammen. Menschen fragen sich: „Warum gerade ich?“ oder „Ich habe immer gesund gelebt.“ Hier geht es dann um das große Thema der Krankheitsakzeptanz.
Für andere gibt es Themen wie: „Wie kommt meine Familie ohne mich klar?“ und „Das Haus ist nicht abbezahlt, es gibt Schulden.“
Andere Menschen möchten Themen und Vorkommnisse aus der Vergangenheit auflösen: unausgesprochene oder ungeregelte Dinge, Konflikte beseitigen. Ich erinnere mich an einen Patienten der 30 Jahre lang seinen Sohn nicht mehr gesehen hat, weil man sich zerstritten hat und für den es ein großes Bedürfnis war, seinen Sohn am Sterbebett um Verzeihung zu bitten. Andere Menschen beschäftigen sich mit ihrem Glauben und ihrem Verhältnis zu Gott.
Um diese gesamte Bandbreite kümmern wir uns und begleiten unsere Patienten auf ihrem Weg. Selbstverständlich können wir nicht immer alle Dinge lösen. Wichtig ist hierbei aber, das individuelle Bedürfnis zu erkennen und ernst zu nehmen.
Wir möchten den Menschen besondere Momente schenken. Dazu gehören die unterschiedlichsten Dinge: sei es noch einmal ein Brötchen mit der Lieblingsleberwurst zu essen, seiner großen Liebe das Ja-Wort zu geben, trotz Krankenhausaufenthalt dem 80. Geburtstag der Schwester beiwohnen zu können, laut sein Lieblingslied zu hören und dazu ausgelassen im Zimmer gemeinsam tanzen zu können oder einfach noch einmal den Himmel sehen zu können, den Wind auf der Nase zu spüren und von Sonnenstrahlen gekitzelt zu werden.
Da genau dies der Wunsch eines im Januar 2024 auf unserer Station verstorbenen Patienten war, hat er sich nur wenige Tage vor seinem Tod zusammen mit seiner Frau dazu entschlossen, uns den Bau einer knapp 100 qm großen Dachterrasse mit direktem und exklusiven Zugang von unserer Station aus zu finanzieren. Hierfür sind wir unfassbar dankbar und können es kaum erwarten all unseren Patienten und ihren Angehörigen ab dem Spätsommer 2025 dies anbieten zu können.
Auch ein Sterben unter freiem Himmel kann so ermöglicht werden. Sie sehen, die Themen sind so bunt, wie das Leben und völlig individuell. Bei allem was wir tun gilt immer eins, der Patient steht im Mittelpunkt.