Hüft-OP, künstliche Hüfte & Hüftprothese – Behandlung, Ablauf & Nachsorge
Wenn Schmerzen in der Leiste, eine immer kürzer werdende Gehstrecke und nächtlicher Ruheschmerz Ihren Alltag bestimmen und Übungen, Medikamente oder Injektionen nicht mehr helfen, kann ein künstliches Hüftgelenk (Hüft-TEP) die Lebensqualität spürbar verbessern.
In unserem zertifizierten Endoprothetikzentrum planen wir jeden Eingriff individuell, setzen möglichst schonende OP-Techniken ein und begleiten Sie strukturiert durch Reha und Nachsorge.
Hüft-OP & künstliche Hüfte – ausführlich erklärt
Dr. med. Julian Messler zeigt Indikation, OP-Ablauf, Nachsorge und den Weg zurück in den Alltag – Schritt für Schritt.
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Für wen ist eine Hüft-OP sinnvoll?
Typische Anzeichen sind belastungsabhängige Leisten- und Oberschenkelschmerzen (oft mit Ausstrahlung bis ins Knie), Anlaufschmerz nach dem Sitzen, eingeschränkte Beweglichkeit (z. B. beim Strümpfe anziehen) und später Ruheschmerz in der Nacht. Im Röntgenbild zeigt sich häufig ein verschmälerter Gelenkspalt mit knöchernen Anbauten.
Eine Hüft-TEP kommt in Frage, wenn
- konservative Maßnahmen (z. B. Physiotherapie, Gewichtsreduktion, entzündungshemmende Medikamente, ggf. Injektionen) konsequent ausprobiert wurden und nicht ausreichend helfen,
- die Alltagsaktivität deutlich eingeschränkt ist (Gehstrecke, Treppen, Schlaf),
- die Bildgebung einen fortgeschrittenen Verschleiß bestätigt,
- und der gemeinsame Entschluss nach Aufklärung zeigt: Der Nutzen der OP überwiegt die Risiken.
Bevor wir operieren, nutzen wir alle konservativen Möglichkeiten. Erst wenn Schmerzen und Einschränkungen bleiben, ist die OP der richtige Schritt.
Dr. med. Julian Messler, Sektionsleiter Endoprothetik
Diagnose & Entscheidungsweg – Schritt für Schritt
- Anamnese & Untersuchung: Schmerzverlauf, Einschränkungen im Alltag, Beweglichkeitstest.
- Bildgebung: Standard ist das Röntgen (Beckenübersicht + axiale Aufnahme); bei besonderen Fragestellungen ggf. MRT/CT.
- Konservative Optionen ausschöpfen: Bewegungstherapie, Schmerz- und Entzündungshemmung, ggf. Infiltrationen – immer zunächst ohne OP versuchen.
- Gemeinsame Entscheidung: Wir besprechen realistische Ziele, Risiken/Alternativen und den richtigen Zeitpunkt – transparent und in Ruhe.
Das künstliche Hüftgelenk – Aufbau, Varianten & was zu wem passt
Ein künstliches Hüftgelenk ersetzt die Pfanne und/oder den Hüftkopf. Es besteht aus Pfanne (+ Inlay), Kopf und Schaft. Die Auswahl richtet sich nach Knochenqualität, Alter/Aktivität, Anatomie, Voroperationen und ggf. Allergien.
- Wie hält das? Die Implantatoberfläche ist so beschichtet, dass der Knochen fest einwächst.
- Vorteile: Langfristig sehr stabil; oft die erste Wahl bei guter Knochenqualität und jüngeren, aktiven Patientinnen/Patienten.
- Belastung: in der Regel ist eine sofortige Vollbelastung möglich – die konkrete Empfehlung erhalten Sie individuell.
- Wie hält das? Der Schaft wird mit Knochenzement sicher verankert.
- Vorteile: Sofort belastbar und zuverlässig – besonders sinnvoll, wenn die Knochendichte geringer ist (z. B. im höheren Lebensalter).
- Belastung: In der Regel direkt sicherer Stand; Gehtraining startet früh.
- Prinzip: Der Schaft ist kürzer und schont den Oberschenkelknochen; die Kraftübertragung bleibt physiologisch.
- Für wen? Häufig eine gute Option bei jüngeren Patientinnen/Patienten mit fester Knochenstruktur; auch spätere Wechsel können erleichtert sein.
- Wichtig: Nicht in jeder Situation geeignet – die Planung entscheidet.
- Keramik/Keramik: Sehr abriebarm, sehr gute Langzeitergebnisse; selten „Klick-“/Reibegeräusche.
- Keramik/Polyethylen (hochvernetzt): Heute Standard in vielen Zentren – abriebarm, zuverlässig.
- Metall/Polyethylen (hochvernetzt): Ebenfalls bewährt; Selektion je nach Befund.
Bei Nickel-Thematik oder Überempfindlichkeiten wählen wir angepasste Legierungen (z. B. Titan) oder Keramik.
Welche Prothesenvariante passt zu mir?
Hüftoperation: Planung & Ablauf – was Sie konkret erwartet
Vorbereitung
- Aktuelle Röntgenbilder und digitale OP-Planung (Größe, Achsstellung, Beinlänge, Offset).
- Narkosegespräch (Vollnarkose oder Spinalanästhesie); Medikamentenplan (z. B. Blutverdünner) wird angepasst.
- Infektions- und Thromboseprophylaxe, Übungen für die ersten Tage nach der OP.
Minimalinvasive Technik – schonend, aber konsequent präzise
- Kleinere Zugänge und muskelschonende Präparation können Blutverlust und Schmerzen verringern und die frühe Mobilisation erleichtern.
- Entscheidend ist nicht die Schnittlänge, sondern die präzise Position von Pfanne und Schaft – dafür sorgen Erfahrung, Planung und intraoperative Kontrolle.
Am OP-Tag (vereinfacht)
- Aufnahme, Lagerung, Narkose/Spinalanästhesie.
- Gelenkeröffnung, Entfernen der verschlissenen Anteile.
- Aufbereitung des Knochens, Einsetzen von Pfanne/Inlay und Schaft/Kopf.
- Funktionsprüfung (Beinlänge, Beweglichkeit, Stabilität).
- Spülung, Wundverschluss, Verband.
- Überwachung im Aufwachraum, Rückkehr auf die Station.
- Erste Mobilisation noch am OP-Tag in den Stand, ggf. auch schon erste Gehübungen auf der Station
Sicherheit, Risiken & Qualität einer Hüft-OP
Jede Operation hat Risiken (z. B. Infektion, Thrombose/Embolie, Luxation, Beinlängendifferenz, Nerven-/Gefäßverletzungen, Fraktur, spätere Lockerung).
Unser Ziel ist es, diese durch standardisierte Abläufe, erfahrene Teams, Zertifizierungen und klare Nachsorge so gering wie möglich zu halten.
Sie werden transparent aufgeklärt, und wir entscheiden gemeinsam – nur dann, wenn der zu erwartende Nutzen überwiegt.
Nach der OP – Schmerztherapie, Mobilisation, Reha & Alltag
- Moderne Schmerzkonzepte sorgen dafür, dass Sie früh üben können.
- Physiotherapie startet meist am OP-Tag oder am Folgetag (Atemübungen, Aufstehen, sicheres Gehen).
- Je nach Verankerung und Knochenqualität sind rasche Teil- bis Vollbelastung möglich.
- Gehhilfen geben anfangs Sicherheit; wir zeigen Ihnen sicheres Gehen, Treppensteigen und den Alltag zuhause.
- Der stationäre Aufenthalt liegt häufig bei etwa 5–7 Tagen – abhängig vom individuellen Verlauf.
- Daran schließt sich eine Reha an (ambulant oder stationär), die wir rechtzeitig beantragen und mit Ihnen planen.
Auto fahren: Sobald Sie sicher ein-/aussteigen, zügig reagieren und ohne sedierende Schmerzmittel sind – häufig nach 4-10 Wochen (ärztliche Freigabe wichtig).
Arbeit: Abhängig von Tätigkeit und Heilungsverlauf – Büro früher, körperlich belastende Arbeiten später.
Schlafen/Haushalt: Wir zeigen schonende Positionen, richtiges Bücken, sicheres Duschen, Hilfsmittel (Greifzange, erhöhter Stuhl/WC) und Sturzprävention.
Regelmäßige ärztliche Kontrolltermine mit klinischer Untersuchung und Röntgen sichern die Langzeitfunktion
Sport & Bewegung – was wieder möglich ist
Bewegung ist ausdrücklich erwünscht – sie stabilisiert die Muskulatur, verbessert die Koordination und schützt die Prothese.
- Gut geeignet: Schwimmen, Radfahren/Ergometer, Nordic Walking, Golf, leichtes Kraft- und Gleichgewichtstraining.
- Mit Maß/individuell: Skilanglauf, ruhiges Wandern, Tanzen.
- Eher vermeiden: Stoß-/Kontaktsportarten (z. B. Squash, wettkampforientierter Fußball) und Aktivitäten mit hohem Sturzrisiko.
- Zeitplan: Viele Alltagsaktivitäten sind nach wenigen Wochen wieder möglich; Sport oft ab 3–6 Monaten – abhängig von Heilung, Sportart und Befund.
Besondere Situationen
Allergien/Überempfindlichkeiten
Bei bekannter Nickel- oder Metallüberempfindlichkeit wählen wir geeignete Legierungen (z. B. Titan) oder Keramik – und stimmen die Prothesenkomponenten entsprechend ab. Bei Verdacht beraten wir Sie, ob und welche Abklärung sinnvoll ist.
Hüftdysplasie, Hüftkopfnekrose, Fehlstellungen & Revision
Bei Dysplasien oder nach Unfällen erfordert die Implantatpositionierung besondere Erfahrung. Hüftkopfnekrosen werden nach Stadium, Beschwerden und Alter beurteilt. Wechseloperationen (z. B. bei Lockerung, Verschleiß oder Infektion) sind möglich und werden individuell geplant.
Komplexer Befund?
Kontakt
Termine vergeben wir nach Vereinbarung. Rufen Sie uns gerne an.
Mittwoch und Freitag nach Vereinbarung
Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
Kliniken Maria Hilf GmbH
Viersener Straße 450
41063 Mönchengladbach
Sprechstunde: Gebäude M, Erdgeschoss
Chefarztsekretariat: Gebäude M, 1. Obergeschoss
Persönliche Teilnahme an der Indikationsbesprechung
Niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sind herzlich eingeladen, persönlich an unserer Indikationsbesprechung teilzunehmen. Auf Wunsch können sie ihre Patientinnen und Patienten direkt in die Besprechung einbringen.
Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Diese erfolgt über das Sekretariat der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Frau Regina Wilinski
Montag – Freitag
09.30 – 15.00 Uhr
+49 2161 892 4202
Häufige Fragen : Diese Antworten geben Orientierung
Begriffserklärung: Eine künstliche Hüfte (auch Hüftprothese, Hüftgelenkersatz oder Hüft-TEP genannt) ersetzt ein durch Arthrose, Unfall oder Erkrankung zerstörtes Hüftgelenk vollständig oder teilweise durch ein Implantat aus Metall, Keramik und/oder Kunststoff. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Unterschied zementiert/zementfrei: Künstliche Hüftgelenke können entweder mit Knochenzement befestigt werden (zementiert) oder so beschichtet sein, dass sie im Knochen „einwachsen“ (zementfrei). Welche Methode gewählt wird, hängt u. a. vom Alter und der Knochensubstanz des Patienten ab.
Unterschied Duokopfprothese, Totalendoprothese, Kurzschaftprothese, Spezialprothesen: Je nach Erkrankung und Patient kommen unterschiedliche Prothesentypen zum Einsatz. Duokopfprothesen werden oft nach Oberschenkelhalsbrüchen verwendet, Totalendoprothesen ersetzen Hüftkopf und Pfanne komplett, Kurzschaftprothesen benötigen weniger Knochen und spezielle Prothesen werden z. B. bei Allergien oder besonderen anatomischen Anforderungen eingesetzt.
Im Regelfall etwa 5–7 Tage – abhängig vom individuellen Verlauf, der gewählten Verankerung (zementiert/zementfrei), der Mobilität und Begleiterkrankungen.
Wichtig ist, dass Sie sicher gehen, die Wundversorgung stabil ist und die nächsten Schritte (Reha) organisiert sind.
Fahren Sie erst wieder, wenn Sie ohne sedierende Schmerzmittel sind, das operierte Bein schmerzfrei und schnell bewegen können und eine Vollbremsung sicher möglich ist.
Das ist häufig nach 4-10 Wochen realistisch. Eine ärztliche Freigabe ist sinnvoll.
Welche Hüftprothese im Einzelfall „die beste“ ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab: Alter, Aktivitätsgrad, Knochensubstanz, Begleiterkrankungen und anatomische Besonderheiten spielen eine wichtige Rolle.
Es gibt verschiedene bewährte Prothesentypen (z. B. Duokopfprothese, Totalendoprothese, Spezialprothesen bei Allergien oder besonderen Anforderungen).
Die Auswahl treffen wir gemeinsam mit Ihnen auf Basis moderner Diagnostik und aktueller Leitlinien – immer individuell und patientenorientiert.
Duokopfprothese: Eine Teilprothese, die meist nur den Hüftkopf ersetzt und häufig nach Schenkelhalsfrakturen eingesetzt wird. Die natürliche Gelenkpfanne bleibt erhalten.
Hüft-TEP (Totalendoprothese): Hierbei werden sowohl der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne durch künstliche Komponenten ersetzt. Diese Form ist Standard bei fortgeschrittener Arthrose oder schweren Hüfterkrankungen.
Spezialprothesen (bei Allergien, Sonderfällen): Für Patienten mit Allergien (z. B. gegen Nickel) oder mit besonderen anatomischen Anforderungen gibt es spezielle, allergiearme oder individuell angepasste Prothesen.
Wenn Schmerzen und Funktionseinschränkung trotz konsequenter konservativer Behandlung anhalten, die Bildgebung einen fortgeschrittenen Schaden zeigt und der Nutzen der Operation größer ist als die Risiken.
Der richtige Zeitpunkt ist erreicht, bevor Muskulatur und Alltag dauerhaft leiden.
Die Erholung verläuft stufenweise: Sicheres Gehen in den ersten Tagen, Alltag in vielen Fällen nach einigen Wochen, Sport oft ab 3–6 Monaten – abhängig vom Heilungsverlauf.
In der Regel 1–2 Stunden. Bei komplexen Situationen (z. B. Fehlstellungen, Voroperationen) kann es länger dauern.
Entscheidend ist die präzise Position der Implantate – Qualität geht vor Schnelligkeit.
Schmerzmedikation wie verordnet, Thromboseprophylaxe, sichere Gangschule, Wundkontrollen, Sturzvermeidung, keine ruckartigen Extrembewegungen am Anfang, und Teilnahme an Kontrollterminen.
Unser Team gibt Ihnen eine klare Checkliste für zu Hause.
Warnzeichen sind zunehmende Schmerzen (auch in Ruhe), Instabilitätsgefühl, nachlassende Belastbarkeit oder auffällige Befunde im Röntgen.
Bei Verdacht bitte frühzeitig zur Abklärung kommen.
Bei medizinischer Indikation übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen in der Regel die Kosten der Operation und der notwendigen Nachsorge.
Wahl-/Zusatzleistungen besprechen wir vorab transparent.