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Knie-OP & Knieprothese (Knie‑TEP) – Behandlung, Ablauf & Nachsorge

Wenn das Knie dauerhaft schmerzt – beim Gehen, Treppensteigen oder nachts – und Physiotherapie, Medikamente oder Injektionen über einen ausreichenden Zeitraum nicht mehr helfen, kann eine Knieprothese (Knie‑TEP, künstliches Knie) die Lebensqualität deutlich verbessern.

In unserem zertifizierten Endoprothetikzentrum besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, ob und wann eine OP sinnvoll ist, welche Prothesenart passt und wie wir Sie mit Fast‑Track‑Konzept, Schmerztherapie und Physiotherapie schnell und sicher zurück in den Alltag bringen.

Wichtig: Ein auffälliges Röntgenbild allein bedeutet noch keine OP. Entscheidend sind Ihre Beschwerden, Einschränkungen und Ihre Ziele.

Knie-OP & Knieprothese – ausführlich erklärt

Dr. med. Julian Messler zeigt Indikation, Prothesenarten, OP‑Ablauf, Fast‑Track‑Rehabilitation und den Weg zurück in den Alltag.

Fragen zu Ihrer Situation? Jetzt beraten lassen

Für wen ist eine Knie‑OP sinnvoll?

Typische Anzeichen sind belastungsabhängige Knieschmerzen, Anlaufschmerz nach dem Sitzen, nächtlicher Ruheschmerz, ein Instabilitätsgefühl, Hinken, kürzere Gehstrecke und wachsende Alltagseinschränkungen.

Im Röntgen sieht man bei fortgeschrittener Kniearthrose (Gonarthrose) häufig einen verengten Gelenkspalt, knöcherne Anbauten und ggf. Zysten.

Eine Knie‑TEP kommt in Frage, wenn

  • konservative Maßnahmen (Physiotherapie/Training, Gewichtsreduktion, Schmerz‑/Entzündungshemmung, ggf. Infiltrationen) über ≥ 3 Monate ausgeschöpft wurden ohne ausreichenden Erfolg,
  • der Alltag deutlich beeinträchtigt ist (Gehstrecke, Stehen, Treppen, Schlaf, Beruf/Haushalt, soziales Leben),
  • die Bildgebung einen fortgeschrittenen Strukturschaden bestätigt, und
  • die gemeinsame Entscheidung nach Aufklärung zeigt: Der Nutzen der OP überwiegt die Risiken.

Unser Ziel ist das ‚vergessene Knie‘ – ein Gelenk, das sich im Alltag so natürlich anfühlt, dass Sie die Prothese kaum bemerken.

Dr. med. Julian Messler, Sektionsleiter Endoprothetik

Diagnose & Entscheidungsweg – Schritt für Schritt

  1. Anamnese & Untersuchung: Schmerzen, Alltag, Beweglichkeit, Bandstabilität.
  2. Bildgebung: Röntgen unter Belastung; je nach Fragestellung MRT/CT.
  3. Konservative Therapie prüfen & ausschöpfen: mindestens 3 Monate.
  4. Partizipative Entscheidungsfindung: Ihre Ziele (z. B. schmerzfreies Gehen, Treppen, Hobby) werden erhoben, realistisch besprochen und dokumentiert.
15 – 20
Jahre – statistische Haltbarkeit vieler Knieprothesen
3 – 6
Monate – oft wieder Sport möglich
97,2 %
würden sich wieder für unser Klinikum entscheiden (2024)
220+
Knie-TEP in 2024
1
Tag – durchschnittliche Dauer vom Konsilauftrag bis Befund (2024)

Das künstliche Kniegelenk – verständlich erklärt

Ein künstliches Knie ersetzt die abgenutzten Gleitflächen an Oberschenkelknochen und Schienbeinkopf, bei Bedarf auch die Rückfläche der Kniescheibe.

Die passende Lösung hängt ab von Ausmaß der Arthrose, Beinachse, Bandstabilität, Knochenqualität, Vor‑OPs, Aktivitätsniveau und Besonderheiten (z. B. Allergien).

  • Was ist das? Das Knie hat drei Bereiche (Innen‑, Außen‑ und Kniescheibengelenk). Ist nur eine Seite – meist die Innenseite – verschlissen und die Bänder sind stabil, kann nur dieser Bereich mit einer kleinen Prothese versorgt werden.
  • Vorteile: Schonend, weil weniger Knochen abgetragen wird; natürlicheres Bewegungsgefühl (wichtige Bänder bleiben erhalten, z. B. das Kreuzband); oft kürzere OP‑ und Reha‑Zeit.
  • Grenzen: Eignet sich nicht für jedes Knie; andere Bereiche können später verschleißen und dann eine größere Prothese erforderlich machen.

  • Einsatzgebiet: Hier werden beide Hauptflächen des Kniegelenks (Innen‑ und Außenseite) neu überkront. Das ist sinnvoll, wenn mehr als eine Seite vom Verschleiß betroffen ist.
  • Aufbau: Eine Metallkappe am Oberschenkelknochen gleitet auf einer Metallplatte am Schienbein; dazwischen liegt ein verschleißarmer Kunststoff‑Gleitkern (Inlay). Bei Bedarf wird auch die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt.
  • Varianten: CR oder PS – leicht erklärt
    CR (kreuzbanderhaltend): Ihr hinteres Kreuzband bleibt erhalten – für viele fühlt sich das besonders natürlich an.
    PS (posterior stabilisiert): Wenn das hintere Kreuzband nicht stabil ist, übernimmt eine eingebaute Führung die Aufgabe des Bandes – das sorgt für Sicherheit und Stabilität.
  • Vorteile: Bewährte Standardlösung mit sehr guten Langzeitergebnissen; sicher und für viele Befunde geeignet; deutliche Schmerzreduktion und funktionsfähiges Gehen.
  • Für wen passt sie? Für die Mehrzahl der Patient:innen mit Verschleiß auf beiden Seiten des Knies. Welche Variante zu Ihnen passt, klären wir individuell anhand Ihrer Bandstabilität, Beinachse und Alltagsziele.

  • Für wen? Bei starker Bandinstabilität, großen Achsabweichungen oder größeren Knochendefekten; häufiger bei Wechseloperationen.
  • Eigenschaften: Sehr stabil, dafür oft mehr Knochenbedarf und etwas weniger natürliches Bewegungsgefühl.

In besonderen Situationen können CT‑basierte Sonderimplantate oder maßgeschneiderte Instrumente hilfreich sein. Ob das sinnvoll ist, entscheiden wir individuell.

  • Standard: Metallkomponenten mit Polyethylen‑Inlay.
  • Allergien: Bei Nickel‑Empfindlichkeit stehen beschichtete oder allergiearme Optionen zur Verfügung – wir beraten individuell.

Welche Prothese passt zu mir?

Das klären wir in der Prothesen‑Sprechstunde anhand Ihrer Befunde und Ziele.

Knieoperation: Planung & Ablauf – was Sie erwartet

Vorbereitung

  • Digitale OP‑Planung (Größe, Achse, Weichteilbalance), aktuelle Röntgenbilder; ggf. CT bei Sonderfällen.
  • Narkosegespräch (Spinalanästhesie oder Vollnarkose); Anpassung Ihres Medikamentenplans (z. B. Blutverdünner).
  • Infektions‑ und Thromboseprophylaxe, Patientenschulung und erste Übungen vor der OP.

Standardisierter Ablauf

  • Aufnahme, Lagerung, Anästhesie.
  • Schonender Zugang, Ausrichten der Schnittblöcke, Entfernen der verschlissenen Gelenkflächen.
  • Implantation der Komponenten, Einsetzen des Inlays und ggf. Patellakomponente.
    Funktionsprüfung (Streckung/Beugung, Stabilität, Beinachse), Wundverschluss

Fast‑Track: schnell mobil, ohne unnötige Einschränkungen

  • Frühmobilisation am OP‑Tag oder Folgetag.
  • In der Regel schmerzadaptierte Vollbelastung ab Tag 0–1.
  • Multimodale Schmerztherapie, strukturierte Physiotherapie; wir verzichten üblicherweise auf Drainagen und Schienen.

Sicherheit, Risiken & Qualität einer Knie-OP

Jede Operation hat Risiken (z. B. Infektion, Thrombose/Embolie, Gelenksteife, Instabilität, Fraktur, Nerven‑/Gefäßverletzung, späterer Verschleiß/Lockerung).

Durch standardisierte Abläufe, erfahrene Teams, Zertifizierung und klare Nachsorge minimieren wir diese Risiken und entscheiden gemeinsam nur dann für eine OP, wenn der Nutzen überwiegt.

  • Hauptkriterien: Knieschmerz, Strukturschaden (Arthrose/Osteonekrose), konservativ ausgeschöpft (≥ 3 Monate), Einschränkung der Lebensqualität (≥ 3 Monate), subjektiver Leidensdruck.
  • Kontraindikationen: Aktive Infektion (absolut); relative u. a. BMI ≥ 40 oder deutlich verkürzte Lebenserwartung.
  • Modifizierbare Risikofaktoren optimieren: Diabetes (HbA1c < 8 %), BMI ≥ 30 (Gewichtsreduktion), Rauchen (mind. 4 Wochen vorher pausieren), Anämie (behandeln), Steroidinjektionen (OP frühestens nach 6 Wochen, besser 3 Monaten), psychische Erkrankung (abklären), entzündlich‑rheumatische Erkrankungen (gut einstellen).
  • Gemeinsame Entscheidung: Ihre Ziele werden erhoben, realistisch besprochen und dokumentiert.

Nach der Knie-OP – Mobilisation, Reha, Alltag & Sport

  • Schmerztherapie, damit Sie früh üben können.
  • Physiotherapie startet am OP‑Tag/Folgetag (Atemübungen, Aufstehen, Gangschule, Treppen).

  • In der Regel Vollbelastung nach Schmerz ab Tag 0–1.
  • Frühziele: sicherer Vierpunktegang mit Unterarmgehstützen, 0° Streckung, ca. 90° Beugung.

  • Verweildauer typischerweise 3–5 Tage (in Einzelfällen bis ca. 7 Tage).
  • Ambulante oder stationäre Reha – wir planen das vorab mit Ihnen.

  • Viele Alltagstätigkeiten sind nach einigen Wochen wieder möglich; Sport häufig ab 3 – 6 Monaten – abhängig von Heilung und Sportart.
  • Gut geeignet: Aquajogging/Schwimmen, Radfahren/Ergometer, Walking/Nordic Walking, leichtes Kraft‑ & Gleichgewichtstraining.
  • Mit Maß/individuell: Wandern, Tanzen.
  • Eher vermeiden: Stoß‑/Kontaktsportarten und Aktivitäten mit hohem Sturzrisiko.

  • Wund-/Laborkontrollen zeitnah nach Entlassung, Röntgen nach ca. 3 Monaten, danach jährlich.
  • Prothesenpass mit Implantatdaten – bitte zu wichtigen Terminen/Flugreisen mitführen.

Besondere Situationen

Nicht jedes Knie ist gleich. Bei Überempfindlichkeiten, Achsabweichungen oder einer geplanten Revision besprechen wir Optionen verständlich – von Materialwahl bis OP-Planung. Ziel: sicher, schonend, präzise.

Manche Menschen reagieren auf Nickel (z. B. bei Schmuck). Sagen Sie uns bitte, wenn Sie eine Hautreaktion kennen oder bereits einen Allergietest hatten. Ein Test ist nicht automatisch nötig – wir prüfen das gemeinsam.

Unsere Optionen:

  • Allergiearme/beschichtete Implantate stehen zur Verfügung, wenn eine relevante Überempfindlichkeit bekannt oder wahrscheinlich ist.
  • Wir wählen die Materialkombination so, dass sie gut verträglich ist – ohne Abstriche bei Haltbarkeit und Funktion.
  • Ihre Auswahl wird im Prothesenpass dokumentiert.

Ziel ist eine sichere Versorgung, die zu Ihrem Körper und Ihren Alltagserwartungen passt.

Bei einer deutlichen Beinachsen‑Abweichung – umgangssprachlich O‑Bein (varus) oder X‑Bein (valgus) – oder bei Bandinstabilitäten braucht das neue Knie manchmal mehr Stabilität. Dann kommen stabilisierte Prothesen zum Einsatz, die dem Gelenk gezielt Führung geben. Das besprechen wir vorab anhand von Untersuchung und Röntgenbildern.

Wenn ein Wechsel nötig wird (Revision): Gründe können z. B. Verschleiß/Lockerung, Instabilität oder Infektion sein. Wir klären Beschwerden frühzeitig ab (Anamnese, Untersuchung, Bildgebung, Labordiagnostik) und planen die Therapie individuell. Bei einer Infektion erfolgt die Behandlung stufenweise – zuerst Beseitigung der Keime, dann der erneute Protheseneinbau.

Wichtig: Kommen Sie bei neuen oder zunehmenden Schmerzen, Rötung/Überwärmung, Schwellung oder einem Instabilitätsgefühl bitte frühzeitig zu uns.

Gute Ergebnisse entstehen durch Planung, Erfahrung und sauberes Handwerk. Deshalb setzen wir auf:

  • Digitale OP‑Planung: Aktuelle Röntgenaufnahmen unter Belastung; bei besonderen Fragestellungen ergänzend CT, um Anatomie und Achse optimal zu beurteilen.
  • Bewährte Ausrichtungs‑Instrumente: Präzise Schnittschablonen und Referenzen zur Achs‑ und Komponentenpositionierung.
  • Intraoperative Qualitätschecks: Mehrfache Kontrolle von Streckung/Beugung, Bandbalance und Beinachse (mit Probe‑/Testkomponenten), bevor final implantiert wird.
  • Schmerz‑ und Blutungsmanagement nach Fast‑Track‑Standard: Multimodale Schmerztherapie (z. B. lokale Infiltration), Verzicht auf Drainagen, frühe Mobilisation.

Unser Prinzip: Sicher, schonend, präzise. Entscheidend sind die Erfahrung des OP‑Teams, die sorgfältige Vorbereitung und der strukturierte Fast‑Track‑Ablauf – für ein stabiles, gut bewegliches Knie und einen schnellen Start in die Rehabilitation.

Kontakt

Termine vergeben wir nach Vereinbarung. Rufen Sie uns gerne an.

Mittwoch und Freitag nach Vereinbarung

Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Kliniken Maria Hilf GmbH
Viersener Straße 450
41063 Mönchengladbach

Persönliche Teilnahme an der Indikationsbesprechung

Niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sind herzlich eingeladen, persönlich an unserer Indikationsbesprechung teilzunehmen. Auf Wunsch können sie ihre Patientinnen und Patienten direkt in die Besprechung einbringen.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Diese erfolgt über das Sekretariat der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Frau Regina Wilinski
Montag – Freitag
09.30 – 15.00 Uhr

Häufige Fragen : Diese Antworten geben Orientierung

Viele Knieprothesen erreichen 15–20 Jahre oder mehr. Studien zeigen, dass nach 20 Jahren ein Großteil der Prothesen nicht gewechselt werden musste. Die Lebensdauer hängt u. a. von Alter, Körpergewicht, Aktivität, Bandstabilität, Knochenqualität und korrekter Implantatposition ab.

Was Sie beitragen können: regelmäßige Kontrollen, Gewichtsmanagement, geeignete Sportarten (z. B. Radfahren, Schwimmen), Vermeidung von Stoß‑/Kontaktsport und Stürzen.

In den ersten Wochen sind Schwellung und ein Druckgefühl normal. Mit Schmerztherapie, Kühlen, Hochlagern und Physiotherapie bessert sich das schrittweise. Bis sich das Knie „vergessen“ anfühlt, vergehen oft 6–12 Monate.

Sofort melden sollten Sie sich bei zunehmenden Schmerzen, Rötung/Überwärmung, Fieber, Wundnässe oder neuer Instabilität.

Die OP dauert in der Regel etwa 60–120 Minuten. Bei komplexen Achsabweichungen, Bandinstabilität oder Vor‑OPs kann es länger dauern.

Entscheidend ist die präzise Stellung der Komponenten – Qualität geht vor Schnelligkeit.

Bei medizinischer Indikation übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen in der Regel die Kosten für OP und notwendige Nachsorge.

Wahl‑/Zusatzleistungen (z. B. Komfortleistungen) besprechen wir vorab transparent.

Warnzeichen sind zunehmende Schmerzen (auch in Ruhe), Instabilitätsgefühl, nachlassende Belastbarkeit oder ungewöhnliche Geräusche.

Die Abklärung erfolgt klinisch und mittels Röntgen (ggf. weitere Bildgebung).

Bitte kommen Sie bei Verdacht frühzeitig in unsere Sprechstunde.

Kurz gesagt: Nein – laut aktueller deutschen Gonarthrose-Leitlinie (2024) zeigen Roboter- oder Navigationssysteme keine besseren Ergebnisse bei Funktion, Zufriedenheit oder Komplikationen im Vergleich zur bewährten konventionellen Technik. Deshalb bieten wir diese Verfahren bewusst nicht an.

Entscheidend für ein gutes Ergebnis sind Erfahrung des OP-Teams, eine sorgfältige Planung, präzise intraoperative Kontrolle und eine strukturierte Nachbehandlung (Fast‑Track).

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